Vier Epochen

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Die Periodisierung der romanischen Sprachwissenschaftsgeschichte teilt Jens Lüdtke (2001) in vier Epochen ein, wobei die erste bereits erklärt wurde.

Die zweite Epoche umfasst laut Lüdtke (2001: 4) den Zeitraum von Celso Cittadini (1601) bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Abgrenzung begründet Lüdtke damit, dass Cittadini den zweifelsfreien Nachweis für die Abstammung der romanischen Sprachen vom Vulgärlatein erbracht hatte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lag dann ein hoher Wissenstand über die romanischen Sprachen vor.

Die dritte Epoche setzt Lüdtke (2001: 4) von 1818 bis 1899 an, denn diese Zeit war durch die Vorherrschaft der wissenschaftlichen diachronischen Sprachwissenschaft Raynouards, Wilhelm Schlegels, Friedrich Diez' und Wilhelm Meyer-Lübkes geprägt. August Wilhelm Schlegel hatte, so Lüdtke, den erneuten Nachweis der Herkunft der romanischen Spracheaus dem Vulgärlatein erbracht, allerdings unter anderen Voraussetzungen als seine Vorgänger. Friedrich Diez und Wilhelm Meyer-Lübke schlossen dann die Sprachbeschreibung aus ihrem Wissenschaftsbegriff aus. Mit dem Band "Grammatik der romanischen Sprachen" Meyer-Lübkes (1899) endete diese Epoche, in der, Lüdtke zufolge, die vergleichende und historische Grammatik vorherrschte.

Die Zeit um 1800 in Deutschland bewertet Lüdtke (2001: 4) dabei als eine "Zeit der Wende in der romanischen Sprachwissenschaft", denn im deutschsprachigen Raum wurde zu dieser Zeit ein breites Wissen über die romanischen Sprachen verfügbar und neue Ansätze wurden aufgenommen. Dieses Wissen und die neuen Ansätze wurden, so Lüdtke, durch eine sich an den Universitäten etablierende "neuere" Philologie fortgeführt (cf. Lüdtke 2001: 4).

Georg von der Gabelentz (1891) und Ferdinand de Saussure (1916) leiteten, so Lüdtke (2001: 4), die vierte Epoche mit der direkten Unterscheidung von Synchronie und Diachronie ein. Diese Epoche wird, wie Lüdtke erklärt, von antipositivistischen Richtungen sowie dem eigentlichen Beginn der Sprachgeschichtsschreibung geprägt. Da sich auf letztere besonders der diachronische Strukturalismus auswirkte, lagen erst in den 1990er Jahren erste "Entwürfe zu einer soziolinguistischen Sprachgeschichte" vor. Etwa zur gleichen Zeit setzt dann, so Lüdtke weiter, eine Regionalisierung der Sprachgeschichte ein. Inwieweit der Einfluss der synchronen Betrachtung auf die diachrone Betrachtungsweise wirkte und noch wirken wird, ist laut Lüdtke noch nicht erkennbar, dazu bedarf es erst einer reflexiven Klärung des momentanen Entwicklungsstandes. Für Lüdtke (2001: 4) ist das größte Desiderat, dass der "Weg zu einer Geschichte der romanischen Einzelsprachen als historischen Sprachen" gefunden wird.