Buchdruck und Normierung

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Der Buchdruck als Medienrevolution im 15. und 16. Jahrhundert

Bedeutung der Sinne und der Stellung des Autoren

Mit der Erfindung des Buchdrucks kommt laut Giesecke insbesondere der optischen Wahrnehmung des Menschen eine besondere Gewichtung zu: „Je mehr Wissen die Gesellschaft nach den neuzeitlichen Prinzipien in den gedruckten Büchern gespeichert hat, desto mehr prämiert sie das Auge und wertet andere Sinneserfahrungen ab“ (Giesecke 1996: 12). Diese erkenntnistheoretische Auffassung hebt sich, so Giesecke, selbstverständlich drastisch von der durch das christliche Mittelalter geprägten Zeit ab, die auf dem Prinzip der Verkündigungstheorie beruht und somit auf ein kommunikatives Grundkonzept zurückzuführen ist (vgl. Giesecke 1996: 12). Die Vorstellung der Gläubigen vom Erwerben „wahrer Erkenntnis“ basiert hier, laut Giesecke, auf der Annahme, dass Informationen entweder unmittelbar von Gott oder von Anderen verkündet werden: „Nicht das 'äußere' Auge, mit dem die Neuzeit ihr 'wahres Wissen' produziert, sondern das Hören auf 'innere' Stimmen, ermöglicht in der alten Zeit Erkenntnisgewinn“ (Giesecke 1996: 13). Ebenso wie Maria ihre Nachrichten durch Mittler wie Engel, Tauben, Träume oder Zeichen empfängt, erhalten auch die anderen Gläubigen ihre Botschaften (vgl. Giesecke 1996: 13).

In der Neuzeit hingegen ist Informationsbeschaffung nach Giesecke geprägt durch die Entschlüsselung der klassischen Selbsttypisierung von Autoren. Die Autoren fühlen sich, so Giesecke, "nicht mehr als 'stilum' Gottes und die Leser teilen die neue Einschätzung der Autoren“ (Giesecke 1996: 13). Das Erwachen des Autorenbewusstseins in der Neuzeit ist nach Giesecke (1996: 14) durch Wille und Sinn gekennzeichnet, die einen Schreiber „[...] zu einem unverwechselbaren Schöpfer von geistigen Werken“ machen.

Nachdem sich die Kommunikation, wie Giesecke (1996: 9) ausführt, von einer Face-to-face-Situation bei öffentlichen Reden und Ansprachen hin zu einem neuen System der Informations-Übertragung in Buchform verändert hat, müssen die Leser (die neben den Autoren den zweiten Schnittpunkt zwischen Umwelt und Druckerzeugnis markieren) dementsprechend die Vorgehensweise ("Software") des Autors nachvollziehen können, um die im Buch enthaltenen Informationen im realen Leben (der Umwelt) anwenden zu können. Dabei muss, so Giesecke (1996: 11), eine gemeinsame Sprache gefunden werden, die es dem Autoren ermöglicht, seine Geschichte so zu erzählen, dass der Leser, eine ihm völlig fremde Person, diese ohne zusätzliche Erklärungen nachvollziehen und verstehen kann, auch wenn sie durchaus Strukturen beschreiben kann, die "im Verlauf der Jahrhunderte zerstört worden sind". Um diese Sprache zu erreichen, muss der Autor, laut Giesecke (1996: 10), abgesehen von der Beherrschung der Alphabetschrift, die Perspektive beachten, die er bei dieser Geschichte einnimmt. Giesecke (1996: 10-11) erläutert dies anhand eines Holzschnitts von Albrecht Dürer, bei dem der Autor / Urheber als das Auge dient, das lediglich die Punkte festhält, die sich von der Netzhaut auf die Projektionsfläche (das Buch) übertragen lassen. Bücher werden also nach Giesecke (1996: 11) erst durch die Alphabetschrift in Kombination mit perspektivisch verständlichem Scheiben zu selbstständigen Kommunikationsmedien.

Bedeutung von Literalität

Bedeutung der Alphabetschrift

Die unmittelbaren Folgen der Erfindung des Buchdrucks

Die Buchkultur als informationsverarbeitendes System verdrängte laut Giesecke die älteren skriptographischen und oralen Systeme. Der Siegeszug dieses typographischen Informationssystems wurde, so Giesecke, von vielen, sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren begünstigt und vorangetrieben. Die Erfindung Gutenbergs war also lediglich ein Element, d.h. ein Ereignis in einem komplexen Funktionsgefüge. Neuerungen, die den Durchbruch der eingeführten Technologie begleiteten und ermöglichten, waren laut Giesecke u.a.: - Der freie Markt wird fortan als kommunikatives Netzwerk genutzt, über das die gedruckten Ergebnisse verbreitet werden - Formen von Informationen, die zuvor noch nicht handschriftlich oder mündlich tradiert wurden, werden nun für den Druck neu gewonnen. - Von den Autoren werden alternative Formen der Wahrnehmung und der Informationsdarstellung erprobt. - Käufer und Leser, von Giesecke als "Effektoren" definiert, werden in den neuen Informationskreislauf miteinbezogen (vgl. Giesecke 1996: 4). Im Folgenden sollen einige dieser Aspekte vertieft werden.

Nach Giesecke (1996: 5) wurde das Buch zu einer Ware, die sich auf dem freien Markt schnell verbreiten ließ. Der Buchdruck wurde dadurch zu einem kommerziellen Gewerbe, sodass dem Besitz von Geld bei dem Erwerb und der Verbreitung von Büchern eine größere Bedeutung zukam. Dies ist auch daran erkennbar, dass sich die Verleger in den Vorworten an den Leser als "Käufer" wandten. Giesecke arbeitet einige Unterschiede dieser neuen Strukturen im Vergleich zu der Verbreitung von Manuskripten im Mittelalter heraus: Im Mittelalter verblieben die Handschriften in den institutionellen Netzen, in denen die Schriften gemäß hierarchischer Strukturen weitergegeben wurden. Dabei mussten die Informationen jede Instanz durchlaufen. Sie wurden also zum Beispiel vom Mönch zum Abt, vom Abt zum Ordensoberen, vom Ordensoberen zum Bischof und von dort zur nächsthöheren Instanz weitergegeben. Die Handschriften dienten dabei eher der Vorbereitung und Unterstützung der Rede (vgl. Giesecke 1996: 5). Im freien Markt hingegen entscheiden nach Giesecke (1996: 6) die Autoren und Drucker, welche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen sollen und jeder hat Zugang zu den Druckerzeugnissen. Die marktwirtschaftlichen Netze sind nicht hierarchisch, sondern haben eine "sternförmige Struktur". Dadurch wird der Instanzenweg des Mittelalters aufgehoben und es findet eine "Abkürzung der Kommunikationsbahnen" statt (vgl. Giesecke 1996: 7).

Die neuzeitlichen Autoren weisen laut Giesecke (1996: 14) in ihren Werken darauf hin, dass ihre Texte dem "Gemeinwohl" dienen. Damit verschwindet Gott als Informationsquelle und es entfällt auch die Gewohnheit, Gott für das Werk zu danken. Nach Giesecke (1996: 14) verlieren im Protestantismus mündliche Beichte oder die Sakramente an Bedeutung, während dem nunmehr gedruckten Wort die ausschlaggebende Bedeutung zukommt ("solum scriptura". Vor dem Buchdruck wurde laut Giesecke (1996: 14) das vorhandene Wissen nur innerhalb der Familie, des Handwerks und der Institutionen weitergegeben. Mit dem Buchdruck wird dieses Wissen laut Giesecke (1996: 15) öffentlich und allgemein zugänglich, sodass es überprüft werden und dazu auch Stellung bezogen werden kann. Dies war, so Giesecke, der Grundstein für die neuzeitliche beschreibende Naturwissenschaft. Viele meinten jedoch so Giesecke (1996: 15), die Vergesellschaftung des Wissens würde gerade Handwerker um ihre Kunden bringen, da diese durch den Erwerb des Fachwissens letztere nicht mehr in Anspruch zu nehmen bräuchten und diese somit ihre Lebensgrundlage verlieren würden. Durch die massenhafte Verbreitung gedruckter Texte wird das Handeln und das Erleben der Menschen nach Giesecke (1996: 15) standartisiert, da sich immer mehr Menschen nach den gleichen Beschreibungen in den Büchern richten.

In unserer Gesellschaft hat sich nach Giesecke (1996: 1) eine Umorientierung in den Leitbildern vollzogen, sodass eine Entwicklung von der "Industriegesellschaft" oder "christlichen Gesellschaft" hin zur "Computer-Kultur" oder auch "Fernsehgesellschaft" stattfand. Nach Giesecke (1996 : 1) sind gemeinschaftsbildende Faktoren unserer heutigen Gesellschaft vor allem kommunikative Prozesse und deren Medien, wobei die "Information" auch im wirtschaftlichen Kontext eine bedeutende Rolle einnimmt. Kommunikation beschreibt Giesecke (1996: 2) als einen "Spezialfall" der Informationsverarbeitung, bei dem Prozessoren aneinander gekoppelt werden um ein informatives Problem zu lösen. Diese Prozessoren müssen heute nicht mehr nur Menschen sein, sondern auch technische Prozessoren wie Computer können die Informationsverarbeitung übernehmen. Autoren nehmen in diesem System laut Giesecke (1996: 2) die Funktion einer "Schnittstelle" ein, indem sie Umweltinformationen wahrnehmen und diese in handschriftlichen Texten verarbeiten. Giesecke führt dazu aus: "Die Manuskriptform ist eine notwendige Bedingung für die weitere typographische Verarbeitung" (Giesecke 1996: 2). Durch diese nicht mehr mündlich dargebotenen Informationen kann in Druckereien und Verlagen die Gutenberg´sche Technik verwendet und Texte können vervielfältigt werden, sodass sich eine "Beschleunigung" des Informationsaustauschs vollzieht. Die rasche Durchsetzung von Gutenbergs Erfindung lässt sich mit einer positiven ideologischen Aufladung erklären und wird als Mittel zur Volksaufklärung und zum Wissenserhalt gesehen. (vgl. Giesecke 1996: 2)

Die Progressivität des Buchdruckes als Initiator für gesellschaftlichen Wandel

Die Neuerungen des Buchdruckes wirkten sich nach Giesecke in weitreichendem Maße auf den Umgang und die Weitergabe von Informationen in der Gesellschaft aus. Wissen wurde nun nicht mehr einfach wie in oralen Kulturen innerhalb kleiner, sozialer Netzwerke geteilt, sondern konnte jetzt über große Entfernungen nachhaltig verbreitet werden. Das erstellen einer typografischen Information hatte nicht einfach nur das Potential die Weitergabe von beispielsweise Kräuterwissen von Mutter zu Tochter zu ersetzen, sondern schaffte zudem die Möglichkeit solcherlei Informationen mit anderem, bereits gesammelten Wissen abzugleichen und weiterzuverarbeiten. Somit konnte ein unbegrenzter Informationsspeicher eingerichtet werden, der fähig ist stets neuen Input aufzunehmen. "Immer mehr neue Informationen müssen dem System zugeführt werden, damit es am Laufen bleibt." (Giesecke 1996: 661) Laut Giesecke bildete sich ein Informationskreislauf heraus, welcher, einmal in Gang gekommen, eine Eigendynamik entwickelte. Giesecke erläutert dies anhand eines Models nach welchem der Autor über seine Wahrnehmung Informationen aus seiner Umwelt entnimmt, diese als psychische Informationen verarbeitet und niederschreibt. Hierdurch wandelt er sie in seine private und "ikonische" (Giesecke 1996: 657) Information um. Anschließend entsteht durch das Vermarkten eine gesellschaftliche Information, da jedes Mitglied der Gesellschaft nun Zugang erlangen kann. Durch den Kauf durch eine bestimmte Person erfolgt das Umschlagen zu einer erneut privaten, ikonischen und zunächst sprachlichen Information, welche wiederum eine psychische Information formt. Beeinflusst das entnommene Wissen das nachfolgende Handeln des Lesers, welches nachfolgend wieder Einfluss auf das Wirken neuer Autoren nimmt, so entsteht ein typographischer Informationskreislauf, welchen Giesecke auch als ein "endloses Band" (1996: 657) bezeichnet. Dieser Kreislauf führt zu einem stetigen Erweitern des Systems. Durch die erhöhte Reichweite der typographischen Information wurde nach Giesecke das Abwarten neuer Erfahrungen zur Erkenntnisbildung nicht mehr zwingend notwendig. So konnten industrielle Arbeitsvorgänge nun visualisiert und verbreitet werden, wodurch vorrangig sensomotorisch vorhandenes Wissen nun auch sprachlich repräsentiert wurde. Intuitive Erfahrungswerte wurden also durch logische Schlüsse ergänzt und verschriftlicht, dadurch wiederum überprüfbar und reflektierbar gemacht. In der Folge vollzog sich eine Trennung von Praxis und Theorie, welche von Giesecke als "Brauch" und "Verstand" betituliert werden. Der Austausch zwischen beiden Welten stellte einen Wendepunkt für die damals übliche Erkenntnistheorie und aus jetziger Sicht die Ausgangsbasis für die moderne Wissenschaft dar. Galt bislang die intensive Auseinandersetzung mit einer Kunst als Maîtrise, so erscheint diese nun als erfühlte Wissen suspekt. Es entwickelt sich die Wertschätzung einer Distanz zwischen dem Betrachter und dem Betrachteten, um weg von der üblichen Subjektivität des Alltags zu einer professionellen Objektivität zu gelangen. "Erprobt waren letztlich auch nur die Verfahren, deren Erprobung man beobachtet hatte. Das Gehörte und auch die eigene Intuition müssen noch einmal mit den Augen überprüft werden." (Giesecke: 677) Galt bislang das Erstellen von Texten in jeder Form als Kunst, geschah nun eine Herauslösung der sachlich, analytisch Verfassten und in Masse verbreiteten typographischen Medien aus dem althergebrachten Kanon der Künste. Die Wissenschaft, welche in der Gesellschaft vielmehr als eine Art von Maîtrise und Weistum gesehen wurde, erlangte nun durch ihren Wandel hin zur Rationalität an Bedeutsamkeit. Aufgrund der Verbreitung durch den Buchdruck gab es nun keine Legitimation zur Geheimhaltung von Wissen mehr. Die Wissenschaft rückte merklich aus dem kleinen Kreis der Jünger der Wissenschaft in die Öffentlichkeit und galt nunmehr als Angelegenheit der Gemeinschaft.

Die Anfänge der schriftlichen Fixierung der Grammatiken

Nach Bierbach und Pellat (2003: 234-235) war im Mittelalter die Sprache der Kultur und der Kommunikation in Europa das Latein. Als Beispiele lateinischer Grammatiken werden Donats Ars (grammatica) und Prisciens de Césarées Institutionum grammaticarum libri XVIII genannt (vgl. Bierbach / Pellat 2003: 235).

Nach Swiggers (1988: 843) entstehen die ersten grammatischen Beschreibungen einer romanischen Sprache (l'ancien provençal) erst im 13. Jh.

Italienische Grammatiken und Sprachtraktate

Einleitender Text:

  • Bedeutung des Lateinischen
  • Dichte von Grammatiken in der Zeit von .. bis ..
  • Zusammenhang mit der Questione della lingua, ihre Sprache und Lexik (Dante, Boccaccio, Petrarca)
  • Bezüge zu den großen Schriftstellern der Zeit
  • Abschnitt Normgrammatik
  • Gegenseitige Beeinflussung des Buchdruckes, d.h. die von ihm hervorgebrachte Notwendigkeit einer Sprachnormierung und der Erscheinung der Grammatiken

Grammatiken

  • ~1434-43 Grammatichetta vaticana von Leon Battista Alberti
  • 1516 Regole grammaticali della volgar lingua von Giovan Francesco Fortunio
  • 1525 Prose della Volgar von Pietro Bembo
  • 1529 Grammatichetta Giovan Giorgio Trissino
  • 1533 La grammatica volgar dell'Ateneo von Marco Antonio
  • 1549 Fondamenti del parlar toscano von Rinaldo Corso
  • 1550 Osservazioni della volgar lingua von Lodovico Dolce
  • ~1551 Commentarii della lingua italiana (veröffentlicht 1582) von Girolamo Ruscelli
  • 1552 Regole della lingua fiorentina von Pierfrancesco Giambullari

Sprachtraktate

Französische Grammatiken und Sprachtraktate

Laut Bierbach und Pellat (2003: 235) erschienen didaktische Abhandlungen über Orthographie und Morphologie des Französischen ab dem 13. Jahrhundert. Was das Französische betrifft, so gibt es laut Swiggers z. T. sehr summarische Abhandlungen zur Orthographie oder Morphologie (Substantiv und Verb) sowie einige thematische Wörterbücher, die auch Informationen zur Aussprache, liaison und élision enthalten:

  • um 1250: "Traité de la conjugaison française"
  • um 1300: "Tractatus orthographiae de T.H., Parisii studentis"
  • um 1300: "Orthographia gallica"
  • um 1300: Fragmente zur Grammatik und Konjugationstabellen
  • um 1340: "Nominale sive verbale in Gallicis cum expositione eiusdem in Anglicis"
  • um 1400: "Tractatus orthographie gallicane per M.T. Coyfurelly, canonicum, Aurelianum doctorem utriusque juris, de novo editus secundum modum et formam parisius" (Überarbeitung des "Tractatus orthographiae de T.H., Parisii studentis" (vgl. Swiggers 1988: 844).

Des Weiteren gibt es, so Swiggers (1988: 844) mehrere Texte für die praktische Anwendung (Konversationsmodelle, Darstellungen der Buchstaben, Texte für Anfänger):

  • um 1250/1290: "Le tretiz ki Munseignur Gauter de Bitheswey fist a ma dame Dyonise de Montechensi pour aprise de langage"
  • Ende des 14. Jh.: "Manières de langage"

Alle diese Abhandlungen entstehen, wie Swiggers (1988: 844) betont, in England (Französisch ist dort Verwaltungssprache) und zeugen von der Bemühung, das Pariser Französisch wiederzugeben.

Grammatiken

Aus England stammt, so Swiggers (1988: 844) auch die älteste grammatische Abhandlung zum Französischen auf Französisch, nämlich der um 1400 entstandene und unvollendet gebliebene "Donait françois", der zur Grundlage der grammatischen Beschreibung des Französischen wurde. Aufgebaut ist der "Donait françois" nach Swiggers wie folgt:

   Introduction
   Classement des lettres
   Les accidents des mots
      - espèces de mots
      - figures de mots
      - le nombre
      - la personne
      - le genre
      - la qualité
      - le cas
      - les degrés de comparaison
      - le mode
      - le temps
      - le genre
   Les parties du discours
      - introduction
      - suppositio des noms
      - le nom
      - le pronom
      - le verbe

Bierbarch und Pellat (2003: 235) geben als Entstehungsjahr 1409 an. Ziel dieses Werkes ist nach Bierbach und Pellat (2003: 235) die Erklärung der Schwierigkeiten des Französischen für englischsprachige Lerner.

Nach Swiggers (2001: 485) hat die französische Grammatikographie ihren Ursprung im Mittelalter. Die ältesten Abhandlungen über Morphologie und Orthographie sowie die ersten grammatischen Texte stammen aus England. In einigen Abhandlungen wird auch auf die strukturellen Unterschiede zwischen Französisch und Latein eingegangen. (vgl. Swiggers 2001: 485). In der Epoche der Renaissance, so Swiggers (2001: 485), setzt sich die französische Sprache in der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit durch. Nach Geoffroy Torys Champ Fleury 1529 entstehen zahlreiche weitere grammatische und orthographische Abhandlungen im 16. Jahrhundert. (vgl. Swiggers 2001: 485). Swiggers (2001: 485-486) zählt die folgenden Abhandlungen zur Beschreibung der Grammatik und Orthographie auf:

* 1529: Tres utile et compendieux traite de l´art et science d´orthographie gallicane (anonymer Text)   
* 1530: John Palsgrave, Lesclarcissement de la langue francoyse, London
* 1531: Jacques Dubois, In Linguam Gallicam Isagwge, unà cum eiusdem Grammatica Latino-Gallica, ex Hebraeis, Graecis, & Latinis authoribus, Paris
* 1532: Gilles du Wes, An Introductorie for to lerne, to rede, to pronounce, and to speke frenche trewly, London
* 1533: Briefve doctrine pour deuement escripre selon la propriete du langaige francoys (anonymer Text), Paris
* 1540: Étienne Dolet, Accents de la langue francoyse, Lyon
* 1542: Louis Meigret, Traite touchant le commun usage de l´escriture francoise, Paris
* 1550: Louis Meigret, Le tretté de la grammere francoeze, Paris
* 1550: Joannes Pillotus, Gallicae linguae institutio, Paris

Die orthographischen Texte enthalten dabei laut Swiggers (2001: 486) auch Hinweise zur Aussprache des Französischen. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, so Swiggers (2001: 486) nimmt die Zahl französischer Grammatiken zu. Den größten Anteil haben dabei Werke zur praktischen Anwendung des Französischen für Nicht-Muttersprachler. Diese enstehen vor allem in England, den alten Niederlanden und Deutschland (vgl. Swiggers 2001: 486). Als Grammatiken für das französische Publikum nennt Swiggers (2001: 486) Robert Estiennes Traicte de la gramaire francoise (Paris 1557) und Pierre de la Ramées Gramere (Paris 1562) bzw. Grammaire (Paris 1572). Bei den meisten Grammatiken, die sich an Nicht-Muttersprachler richten, steht der pädagogische Aspekt im Vordergrund und die systematische Beschreibung der Strukturen tritt in den Hintergrund (vgl. Swiggers 2001: 486). Die Grammatiken von Palsgrave, Meigret, Estienne und Ramus enthalten zwar exzellente Beschreibungen von grammatischern Strukturen des Französischen, insgesamt befindet sich, so Swiggers (2001: 486) die syntaktische Analyse noch im Anfangsstadium. Im 16. Jahrhundert entstehen auch die ersten didaktischen Grammatiken der französischen Sprache für das spanische Publikum (vgl. Swiggers 2001: 486).

Im 16. Jahrhundert erscheinen, so Swiggers die ersten gedruckten Grammatiken des Französischen. Die meisten davon waren deskriptiv. Ziel war es, so Swiggers, den Leser über die verschiedenen grammatikalischen Kategorien des Französischen zu informieren. Dies geschah vor allem mittels einer Präsentation von Regeln und Paradigmen. Damit gelang es laut Swiggers den Autoren zu zeigen, dass das Französische ebenfalls Regeln besitzt., also in der Lage ist, eine Rolle als Kultursprache zu spielen (vgl. Swiggers, 1988: 846). Die Mehrheit der Grammatiken im 16. Jahrhundert sind, laut Swiggers, praktische Grammatiken. Das heißt, sie dienten dem Unterricht des des Französischens. (vgl. Swiggers, 1988: 847). Die wichtigsten Grammatiken des 16. Jahrhunderts, die Swiggers (?) auflistet, sind folgende:

   -1530: John Palsgrave "Lesclarcissement de la langue francoyse compose par maistre Jehan Palsgrave Angloys natyf de Londreset gradue de   Paris"
   -1531: Jacques Dubois: "Jacobi Sylvii Ambiani in Linguam Gallicam Isawge, unà cum eiusdem Grammatica Latino-Gallica, ex Hebraeis, Graecis, & Latinis authoribus"
   -1550: Louis Meigret: "Le tretté de la grammere francoeze, fet par Louis Meigret"
   -1557: Robert Estienne: "Traicté de la gramaire francoise"
   -1562: Pierre de la Ramée: "Gramere"

Palsgraves Grammatik wurde, so Swiggers (?), in England publiziert. Die Grammatik von Dubois hingegen wurde zwar in Frankreich veröffentlicht, jedoch war sie auf Lateinisch geschrieben.

Palsgrave untersucht nach Swiggers (1988: 847) in seiner Grammatik besonders die Unterschiede zwischen dem Französischem und Englischem. Dubois hingegen zeigt, so Swiggers, Unterschiede zwischen dem Lateinischen und dem Französischen auf, indem er das Lateinsche als Grundlage für den Aufbau seiner Grammatik nimmt (vgl. Swiggers 1988: 847). Nach Swiggers (1988: 847-848) betrachten die Grammatiker Meigret, Ramus und Estienne, die ebenfalls dem 16. Jahrhundert zuzuordnen sind, das Französische nicht nur in seinem konkreten Gebrauch, sondern sie halten diesen Gebrauch als in Regeln fassbar. Meigret und Ramus kommt laut Swiggers das Verdienst zu, eine methodische Beschreibung der Morphologie des Französischen versucht zu haben (vgl. Swiggers 1988: 848).

Die Buchstaben sind, so Swiggers (1988: 845) weiter, unterteilt in "cinq voielx" (fünf Vokale) und "quinse consonantez" (fünfzehn Konsonanten) und z. T. mit Aussprachehilfen versehen. Danach folgt, so Swiggers, - der morphologische Teil (Derivate, Komposita, Numerus, Genus, Fälle, Modus, Tempus, etc.). Im Anschluss daran findet sich die - Analyse der Redeteile - (Nomen, Pronomen, Verben: Numerus, Modus, Tempus, Konjugation der französischen Verben; Bildung der Hilfsverben)

Nach Swiggers ist das Besondere am "Donait francois":

   1. dass er die älteste Grammatik des Französischen ist.
   2. dass die lateinische Grammatik zwar als deskriptives und terminologisches Modell dient, wobei das französische Sprachsystem nicht vollständig in das Lateinische übertragen werden konnte.
   3. dass damit ein metalinguistisches Modell für die Argumentation, Präsentation, und Formulierung von Beschreibungen des Französischen eingeführt wird (vgl. Swiggers 1988: 845).

Nach Bierbach und Pellat (2003: 235) erschienen die ersten grammatikalischen Beschreibung in Frankreich im 16. Jahrhundert. Die Autoren stützten sich dabei besonders auf die lateinischen Vorgänger des Engländers Linacre, des Italieners Julius C. Scaliger und des Spaniers Sanctius. Jedoch war, so Bierbach und Pellat, der deskriptive Aufbau der lateinischen Grammatiken für die französischen Grammatiken ungeeignet. Die Grammatiken des 16. Jahrhunderts verfolgten laut Bierbach und Pellat mit der Beschreibung nicht nur ein normatives Ziel, sondern auch eine pädagogische Absicht. Die erste gedruckte Grammatik des Französischen wurde nach Bierbach und Pellat in England 1530 von John Palsgrave publiziert. 1531 erschien dann, so Bierbach und Pellat, die erste französischen Grammatik in Frankreich, die jedoch auf Latein geschrieben ist. Herausgeber dieser Grammatik war Jacques Dubois d'Amiens. Sein Ziel war es zu zeigen, dass das Französische sich vom Lateinischen ableitet. Erst 1550 wurde die erste französische Grammatik, die in französisch geschrieben ist, in Frankreich gedruckt . Der Herausgeber dieses Werkes, Louis Meigret, fügte seiner Grammatik syntaxische Bemerkungen bei, die die Eigenheiten des Französischen wiedergeben. Diese Grammatik hatte, laut Bierbach und Pellat, Einfluss auf die Gramer von Petrus Ramus, der der Ansicht war, dass die Sprachanalyse der Analyse des Denkens folgt (vgl. Bierbach / Pellat 2003: 235). Zusammenfassend halten Bierbach und Pellat fest, dass die Grammatiken des 16. Jahrhundert angefangen haben, die Besonderheiten der französischen Sprache dem Latein gegenüber herauszufiltern. Die morphologischen Beschreibungen des Französischen haben sich während dieses Zeit entwickelt. Dennoch bleibt die Syntaxt nur ein geringer Anteil dieser Grammatiken (vgl. Bierbach / Pellat 2003: 235-236).

Zusammenfassend schreibt Swiggers (1988: 848), dass den Grammatikern des 16. Jh. ein kohärentes Beschreibungssystem zu verdanken ist, das den Unterschieden zwischen dem Französischen und Latein Rechnung trägt und das sich vom latinisierenden grammatischen Modell emanzipiert. "En visée rétrospective, on appréciera l'effort de ces grammairiens [...] pour mettre en place un système cohérent de description, qui fait justice aux diférences structurelles entre le francais et le latin, et qui s'emancipe du modèle grammatical latinisant." (Swiggers 1988: 848).

Sprachtraktate