Buchdruck und Normierung: Unterschied zwischen den Versionen

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Das Literaturverzeichnis fehlt Bei Giesecke stimmen die Jahreszahlen nicht. Bei dem herangezogenen Buch handelte es sich um die 4. Ausgabe. Die Angaben sollten lauten (1991 / 4 2006)

Der Buchdruck als Medienrevolution im 15. und 16. Jahrhundert

Literalität anstelle von oralen Mnemotechniken

Kloock und Spahr (1997: 240) bezeichnen Schrift als "kulturellen 'Gedächtnisspeicher', durch welchen politische, rechtliche, religiöse und soziale Regelungen festgehalten werden. Wie laut Kloock und Spahr aus den Erkenntnissen der Oral-Poetry-Forschung hervorgeht, spielten in oralen Kulturen Rhytmus und Melodie für das Gedächtnis eine besondere Rolle, denn Sprache ist für das Gedächtnis einfacher zu replizieren, wenn sie durch Rhythmus und Melodie geleitet wird. Kloock und Spahr beziehen sich dabei auf Milman Parry. Dieser hat in den 1930er Jahren nachgewiesen, dass Ilias und Odyssee Ergebnisse einer oralen Improvisationskunst und Mnemotechnik sind. Sie basieren auf mündlichen Kompositionsregeln und sind in Form von metrisch zugeschnittene Formeln, Hexametern strukturiert. Als Beleg für die starke Betonung auf Rhythmik und Melodie nennen Kloock und Spaar nach Parry die Tatsache, dass Vorträge mit Musik und Tanz kombiniert wurden. Nach Havelock (1990: 79) zitieren Kloock und Spahr (1997: 241), dass die Griechen "die Muse, die der Kunst ihren Namen gab, ganz richtig 'Tochter der Erinnerung'" nannten. In der Folge kann Reimen als eine Mnemotechnik verstanden werden. Als Beispiel führen Kloock und Spahr das Adjektiv polymetis (klug)an, das als Attribut fortwährend bei Odysseus erscheint und ihn erst ins Metrum des Verses bettet. Mit dieser Mnemotechnik erfolgte, wie Kloock und Spahr ausführen, nach Parrys These kein wortwörtliches Memorieren, sondern nur das Erstellen eines Fundus an feststehenden Phrasen, welcher den groben Inhalt des Werkes vorgab. Dies ermöglichte dem jeweiligen Vortragenden metrisch korrekte Verse in endloser Zahl herzustellen und jeweils neu zusammenzustellen. Jeder Vortragende wurde somit auch zum Dichter. Kloock und Spahr verweisen an dieser Stelle auf Lord (1960 / 1965), welcher anhand von Tonaufzeichnungen slawischer Erzähldichtungen Parallelen zu antiken, griechischen Dichtungen zog. Abhängig vonm Publikum, der Stimmung des Poeten und anderen sozialen und psychologischen Faktoren wurden Dichtungen in Form von Liedern nie zweimal auf die selbe Weise vorgetragen.

Bedeutung der Sinne und der Stellung des Autors

Mit der Erfindung des Buchdrucks kommt laut Giesecke insbesondere der optischen Wahrnehmung des Menschen eine besondere Gewichtung zu: „Je mehr Wissen die Gesellschaft nach den neuzeitlichen Prinzipien in den gedruckten Büchern gespeichert hat, desto mehr prämiert sie das Auge und wertet andere Sinneserfahrungen ab“ (Giesecke 1996: 12). Diese erkenntnistheoretische Auffassung hebt sich, so Giesecke, selbstverständlich drastisch von der durch das christliche Mittelalter geprägten Zeit ab, die auf dem Prinzip der Verkündigungstheorie beruht und somit auf ein kommunikatives Grundkonzept zurückzuführen ist (vgl. Giesecke 1996: 12). Die Vorstellung der Gläubigen vom Erwerben „wahrer Erkenntnis“ basiert hier, laut Giesecke, auf der Annahme, dass Informationen entweder unmittelbar von Gott oder von Anderen verkündet werden: „Nicht das 'äußere' Auge, mit dem die Neuzeit ihr 'wahres Wissen' produziert, sondern das Hören auf 'innere' Stimmen, ermöglicht in der alten Zeit Erkenntnisgewinn“ (Giesecke 1996: 13). Ebenso wie Maria ihre Nachrichten durch Mittler wie Engel, Tauben, Träume oder Zeichen empfängt, erhalten auch die anderen Gläubigen ihre Botschaften (vgl. Giesecke 1996: 13). So entsteht auch Gieseckes und gleichzeitig Kloock und Spahrs (vgl. 1997: 264)Frage der intersubjektiven Wahrnehmung, dass alle Leser ihre Gedanken mit dem des Autors koppeln bzw. vergleichen können, die von Kloock und Spahr sogenannte Entemotionalisierung und Entsynästhesierung eines Textes. Sodass Informationen und Wissen nur dann als wahr hingenommen werden können, wenn sie für andere nachvollziehbar bewiesen wurden. Wie kann nun die Wahrnehmung so "programmiert" werden, dass jedwede Information intersubjektiv nachvollziehbar wird? (cf. Kloock / Spahr 1997: 265). Die Antwort wird mit Dürers Methodologie des Beschreibens, Vergleichens, Typisierung und Messung gegeben. Durch die genaue Beschreibung des Ausgangspunktes, mit Hilfe der Perspektivlehre und der typographischen Medientechnik, wird die Perspektivübernahme des Autors ermöglicht.

In der Neuzeit hingegen ist Informationsbeschaffung nach Giesecke geprägt durch die Entschlüsselung der klassischen Selbsttypisierung von Autoren. Die Autoren fühlen sich, so Giesecke, "nicht mehr als 'stilum' Gottes und die Leser teilen die neue Einschätzung der Autoren“ (Giesecke 1996: 13). Das Erwachen des Autorenbewusstseins in der Neuzeit ist nach Giesecke (1996: 14) durch Wille und Sinn gekennzeichnet, die einen Schreiber „[...] zu einem unverwechselbaren Schöpfer von geistigen Werken“ machen.

Nachdem sich die Kommunikation, wie Giesecke (1996: 9) ausführt, von einer Face-to-face-Situation bei öffentlichen Reden und Ansprachen hin zu einem neuen System der Informations-Übertragung in Buchform verändert hat, müssen die Leser (die neben den Autoren den zweiten Schnittpunkt zwischen Umwelt und Druckerzeugnis markieren) dementsprechend die Vorgehensweise ("Software") des Autors nachvollziehen können, um die im Buch enthaltenen Informationen im realen Leben (der Umwelt) anwenden zu können. Dabei muss, so Giesecke (1996: 11), eine gemeinsame Sprache gefunden werden, die es dem Autoren ermöglicht, seine Geschichte so zu erzählen, dass der Leser, eine ihm völlig fremde Person, diese ohne zusätzliche Erklärungen nachvollziehen und verstehen kann, auch wenn sie durchaus Strukturen beschreiben kann, die "im Verlauf der Jahrhunderte zerstört worden sind". Um diese Sprache zu erreichen, muss der Autor, laut Giesecke (1996: 10), abgesehen von der Beherrschung der Alphabetschrift, die Perspektive beachten, die er bei dieser Geschichte einnimmt. Giesecke (1996: 10-11) erläutert dies anhand eines Holzschnitts von Albrecht Dürer, bei dem der Autor / Urheber als das Auge dient, das lediglich die Punkte festhält, die sich von der Netzhaut auf die Projektionsfläche (das Buch) übertragen lassen. Bücher werden also nach Giesecke (1996: 11) erst durch die Alphabetschrift in Kombination mit perspektivisch verständlichem Scheiben zu selbstständigen Kommunikationsmedien.

Nach Klock und Spahr wurden durch das durch Gutenberg ermöglichte Schriftsystem die Wahrnehmungs- und Darstellungsstile vereinheitlicht, sodass sich "Abstrahierung, Spezialisierung, Fragmentierung, Typologisierung, Proportionierung" allseits in der Gesellschaft durchsetzen konnten. Zudem konnten alle Informationen, die vorher nur oral zugänglich waren, nun auch visuell wiedergegeben werden. McLuhan ist, so Kloock und Spahr, allerdings der Meinung, dass dadurch unsere Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen verstumpfen und eine „riesige uniformierte Gedächtnismasse“ entsteht (McLuhan 1995: 265 ff; zit. n. Kloock / Spahr 1997: 255).

Bedeutung von Literalität

Bedeutung der Alphabetschrift

Kloock und Spahr (1997) greifen ebenfalls die Schrift von Giesecke (1991) auf und verdeutlichen seinen Standpunkt, dass die Verbreitung eines Mediums vor allem auch von der Bedeutung abhängig ist, die diesem zugesprochen wird (Kloock / Spahr 1997: 257-258). Durch den gemeinschaftlichen Kode konnten nun soziale Gemeinschaften und deren Begrenzungen geschaffen werden, sodass es nicht nur zur "Demokratisierung von Wissen [sondern auch zur] Utopie einer nationalen Kommunikationsgemeinschaft" (Kloock / Spahr 1997: 260) kommt. Kloock und Spahr (1997: 262-263) nehmen die Idee von Giesecke (1991) wieder auf, dass unter anderem durch die Entstehung von nationalen Kommunikationsgemeinschaften ein Nationalbewusstsein erwacht, das mit nationalen Gedanken gefüllt werden musste mit Hilfe des Buchdrucks.

Die unmittelbaren Folgen der Erfindung des Buchdrucks

Die Buchkultur als informationsverarbeitendes System verdrängte laut Giesecke die älteren skriptographischen und oralen Systeme. Der Siegeszug dieses typographischen Informationssystems wurde, so Giesecke, von vielen, sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren begünstigt und vorangetrieben. Die Erfindung Gutenbergs war also lediglich ein Element, d.h. ein Ereignis in einem komplexen Funktionsgefüge. Neuerungen, die den Durchbruch der eingeführten Technologie begleiteten und ermöglichten, waren laut Giesecke u.a.: - Der freie Markt wird fortan als kommunikatives Netzwerk genutzt, über das die gedruckten Ergebnisse verbreitet werden - Formen von Informationen, die zuvor noch nicht handschriftlich oder mündlich tradiert wurden, werden nun für den Druck neu gewonnen. - Von den Autoren werden alternative Formen der Wahrnehmung und der Informationsdarstellung erprobt. - Käufer und Leser, von Giesecke als "Effektoren" definiert, werden in den neuen Informationskreislauf miteinbezogen (vgl. Giesecke 1996: 4). Im Folgenden sollen einige dieser Aspekte vertieft werden.

Nach Giesecke (1996: 5) wurde das Buch zu einer Ware, die sich auf dem freien Markt schnell verbreiten ließ. Der Buchdruck wurde dadurch zu einem kommerziellen Gewerbe, sodass dem Besitz von Geld bei dem Erwerb und der Verbreitung von Büchern eine größere Bedeutung zukam. Dies ist auch daran erkennbar, dass sich die Verleger in den Vorworten an den Leser als "Käufer" wandten. Giesecke arbeitet einige Unterschiede dieser neuen Strukturen im Vergleich zu der Verbreitung von Manuskripten im Mittelalter heraus: Im Mittelalter verblieben die Handschriften in den institutionellen Netzen, in denen die Schriften gemäß hierarchischer Strukturen weitergegeben wurden. Dabei mussten die Informationen jede Instanz durchlaufen. Sie wurden also zum Beispiel vom Mönch zum Abt, vom Abt zum Ordensoberen, vom Ordensoberen zum Bischof und von dort zur nächsthöheren Instanz weitergegeben. Die Handschriften dienten dabei eher der Vorbereitung und Unterstützung der Rede (vgl. Giesecke 1996: 5). Im freien Markt hingegen entscheiden nach Giesecke (1996: 6) die Autoren und Drucker, welche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen sollen und jeder hat Zugang zu den Druckerzeugnissen. Die marktwirtschaftlichen Netze sind nicht hierarchisch, sondern haben eine "sternförmige Struktur". Dadurch wird der Instanzenweg des Mittelalters aufgehoben und es findet eine "Abkürzung der Kommunikationsbahnen" statt (vgl. Giesecke 1996: 7).

Die neuzeitlichen Autoren weisen laut Giesecke (1996: 14) in ihren Werken darauf hin, dass ihre Texte dem "Gemeinwohl" dienen. Damit verschwindet Gott als Informationsquelle und es entfällt auch die Gewohnheit, Gott für das Werk zu danken. Nach Giesecke (1996: 14) verlieren im Protestantismus mündliche Beichte oder die Sakramente an Bedeutung, während dem nunmehr gedruckten Wort die ausschlaggebende Bedeutung zukommt ("solum scriptura". Vor dem Buchdruck wurde laut Giesecke (1996: 14) das vorhandene Wissen nur innerhalb der Familie, des Handwerks und der Institutionen weitergegeben. Mit dem Buchdruck wird dieses Wissen laut Giesecke (1996: 15) öffentlich und allgemein zugänglich, sodass es überprüft werden und dazu auch Stellung bezogen werden kann. Dies war, so Giesecke, der Grundstein für die neuzeitliche beschreibende Naturwissenschaft. Viele meinten jedoch so Giesecke (1996: 15), die Vergesellschaftung des Wissens würde gerade Handwerker um ihre Kunden bringen, da diese durch den Erwerb des Fachwissens letztere nicht mehr in Anspruch zu nehmen bräuchten und diese somit ihre Lebensgrundlage verlieren würden. Durch die massenhafte Verbreitung gedruckter Texte wird das Handeln und das Erleben der Menschen nach Giesecke (1996: 15) standartisiert, da sich immer mehr Menschen nach den gleichen Beschreibungen in den Büchern richten.

In unserer Gesellschaft hat sich nach Giesecke (1996: 1) eine Umorientierung in den Leitbildern vollzogen, sodass eine Entwicklung von der "Industriegesellschaft" oder "christlichen Gesellschaft" hin zur "Computer-Kultur" oder auch "Fernsehgesellschaft" stattfand. Nach Giesecke (1996 : 1) sind gemeinschaftsbildende Faktoren unserer heutigen Gesellschaft vor allem kommunikative Prozesse und deren Medien, wobei die "Information" auch im wirtschaftlichen Kontext eine bedeutende Rolle einnimmt. Kommunikation beschreibt Giesecke (1996: 2) als einen "Spezialfall" der Informationsverarbeitung, bei dem Prozessoren aneinander gekoppelt werden um ein informatives Problem zu lösen. Diese Prozessoren müssen heute nicht mehr nur Menschen sein, sondern auch technische Prozessoren wie Computer können die Informationsverarbeitung übernehmen. Autoren nehmen in diesem System laut Giesecke (1996: 2) die Funktion einer "Schnittstelle" ein, indem sie Umweltinformationen wahrnehmen und diese in handschriftlichen Texten verarbeiten. Giesecke führt dazu aus: "Die Manuskriptform ist eine notwendige Bedingung für die weitere typographische Verarbeitung" (Giesecke 1996: 2). Durch diese nicht mehr mündlich dargebotenen Informationen kann in Druckereien und Verlagen die Gutenberg´sche Technik verwendet und Texte können vervielfältigt werden, sodass sich eine "Beschleunigung" des Informationsaustauschs vollzieht. Die rasche Durchsetzung von Gutenbergs Erfindung lässt sich mit einer positiven ideologischen Aufladung erklären und wird als Mittel zur Volksaufklärung und zum Wissenserhalt gesehen. (vgl. Giesecke 1996: 2)

Entsprechend der Renaissance, so Kloock und Spahr (1997: 263) weiter, ging es auch für Gutenberg neben seinem Primärziel, der Geschwindigkeit der Verbreitung von Information, um die Harmonie aller Teile und die Ästhetisierung der Schrift und der Intersubjektivität der Dinge, um diese Vereinheitlichung des Schriftbildes ebenfalls zu erreichen, erschuf er diese systematisch varrierbare Maschine. "Die Wiederverwendbarkeit der Form ermöglichte auch die Reproduktion identischer Lettern."(Kloock / Spahr 1997: 262). Mit diesen Lettern hat er "Artmodelle" erschaffen und diese anschließend harmonisch standardisiert und sein Ähnlichkeitsideal mit dem Druck des "monumentalsten Werk überhaupt" als erstes bewiesen: das Alte und Neue Testament (cf. Kloock / Spahr 1997: 263).

Die Progressivität des Buchdruckes als Initiator für gesellschaftlichen Wandel

Die Neuerungen des Buchdruckes wirkten sich nach Giesecke in weitreichendem Maße auf den Umgang und die Weitergabe von Informationen in der Gesellschaft aus. Wissen wurde nun nicht mehr einfach wie in oralen Kulturen innerhalb kleiner, sozialer Netzwerke geteilt, sondern konnte jetzt über große Entfernungen nachhaltig verbreitet werden. Das erstellen einer typografischen Information hatte nicht einfach nur das Potential die Weitergabe von beispielsweise Kräuterwissen von Mutter zu Tochter zu ersetzen, sondern schaffte zudem die Möglichkeit solcherlei Informationen mit anderem, bereits gesammelten Wissen abzugleichen und weiterzuverarbeiten. Somit konnte ein unbegrenzter Informationsspeicher eingerichtet werden, der fähig ist stets neuen Input aufzunehmen. "Immer mehr neue Informationen müssen dem System zugeführt werden, damit es am Laufen bleibt" (Giesecke 1996: 661). Laut Giesecke bildete sich ein Informationskreislauf heraus, welcher, einmal in Gang gekommen, eine Eigendynamik entwickelte. Giesecke erläutert dies anhand eines Models nach welchem der Autor über seine Wahrnehmung Informationen aus seiner Umwelt entnimmt, diese als psychische Informationen verarbeitet und niederschreibt. Hierdurch wandelt er sie in seine private und "ikonische" (Giesecke 1996: 657) Information um. Anschließend entsteht durch das Vermarkten eine gesellschaftliche Information, da jedes Mitglied der Gesellschaft nun Zugang erlangen kann. Durch den Kauf durch eine bestimmte Person erfolgt das Umschlagen zu einer erneut privaten, ikonischen und zunächst sprachlichen Information, welche wiederum eine psychische Information formt. Beeinflusst das entnommene Wissen das nachfolgende Handeln des Lesers, welches nachfolgend wieder Einfluss auf das Wirken neuer Autoren nimmt, so entsteht ein typographischer Informationskreislauf, welchen Giesecke (1996: 657) auch als ein "endloses Band" bezeichnet. Dieser Kreislauf führt zu einem stetigen Erweitern des Systems. Durch die erhöhte Reichweite der typographischen Information wurde nach Giesecke das Abwarten neuer Erfahrungen zur Erkenntnisbildung nicht mehr zwingend notwendig. So konnten industrielle Arbeitsvorgänge nun visualisiert und verbreitet werden, wodurch vorrangig sensomotorisch vorhandenes Wissen nun auch sprachlich repräsentiert wurde. Intuitive Erfahrungswerte wurden also durch logische Schlüsse ergänzt und verschriftlicht, dadurch wiederum überprüfbar und reflektierbar gemacht. In der Folge vollzog sich eine Trennung von Praxis und Theorie, welche von Giesecke als "Brauch" und "Verstand" betituliert werden. Der Austausch zwischen beiden Welten stellte einen Wendepunkt für die damals übliche Erkenntnistheorie und aus jetziger Sicht die Ausgangsbasis für die moderne Wissenschaft dar. Wurde die intensive Auseinandersetzung mit einer Kunst als Maîtrise verstanden, so erscheint diese nun als erfühlte Wissen suspekt. Es entwickelt sich die Wertschätzung einer Distanz zwischen dem Betrachter und dem Betrachteten, um weg von der üblichen Subjektivität des Alltags zu einer professionellen Objektivität zu gelangen. "Erprobt waren letztlich auch nur die Verfahren, deren Erprobung man beobachtet hatte. Das Gehörte und auch die eigene Intuition müssen noch einmal mit den Augen überprüft werden" (Giesecke 1996: 677). Galt bislang das Erstellen von Texten in jeder Form als Kunst, geschah nun eine Herauslösung der sachlich, analytisch Verfassten und in Masse verbreiteten typographischen Medien aus dem althergebrachten Kanon der Künste. Die Wissenschaft, welche in der Gesellschaft bislang vielmehr als eine Art von Maîtrise und Weistum gesehen wurde, erlangte nun durch ihren Wandel hin zur Rationalität an Bedeutsamkeit. Aufgrund der Verbreitung durch den Buchdruck gab es nun keine Legitimation zur Geheimhaltung von Wissen mehr. Die Wissenschaft rückte merklich aus dem kleinen Kreis der Jünger der Wissenschaft in die Öffentlichkeit und galt nunmehr als Angelegenheit der Gemeinschaft. Dies hatte harsche gesellschaftliche Kritik zur Folge, wurde das Lernen aus Büchern für „unmöglich und jedenfalls verwerflich“ (Giesecke 1996: 683) gehalten. Das Gespräch zwischen Experten und Laien solle, nach der Auffassung von Kritikern, nun vollends durch das Lesen von Sachbüchern ersetzt werden. Ein bedeutender Befürworter dieser Theorie war Valentin Ickelsamer, der Verfasser des Werks Teutschen Grammatica, welcher das Buch als Medium zum Selbststudium bzw. als Handreichung für Hausunterricht innerhalb der Familie etablieren wollte. Wurde das Ersetzen des Lehrers durch ein Buch von didaktischer Seite zunächst schwer verurteilt, so erfreute sich hingegen das Lehrwerk als ergänzender Bestandteil des Unterrichts zunehmender Beliebtheit. In der Folge galt es sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, welche Lehrinhalte denn überhaupt sinnvoll durch Bücher vermittelt werden konnten und welche nicht. Eine weitere Problematik fand sich in dem Vorwissen, welches der einzelne Leser zum Verstehen der Schrift benötigte. Gab es in jeder Zunft eine gemeinsame Schnittmenge an Grundwissen über die behandelte Thematik, so konnte dieses nun nicht mehr als a priori vorausgesetzt gelten. Folglich mussten viele Manuskripte vor dem Druck aufgearbeitet und erweitert werden, um dem einfachen Leser grundlegende Informationen zur Thematik vor zu entlasten.

Die typographische Vernetzung der gesellschaftlichen Kommunikation zum gemeinen Nutzen der deutschen Nation (1520-1555)

Das Handelsnetz als Medium der typographischen Kommunikation

Im Gegensatz zu älteren Formen des Warentausches, indem Waren gegen Waren getauscht werden, ist im modernen kapitalistischen System typisch Ware gegen Geld zu tauschen, somit erscheint der Markt als ein Medium mit zwei Typen von Ein- und Ausgänge, wobei der Verkäufer auf der einen Seite Waren gibt und der Käufer auf der anderen Seite diese Ware entgegennehmen kann und gibt dafür Geld als Rückkopplung (Giesecke 1996: 397). Laut Giesecke lässt sich der Wert einer Ware in Geld ausdrücken, wodurch nicht nur die Menschliche Arbeitskraft, sondern auch das menschliche Wissen zu einer Ware wird, dementsprechend regelt das Geld dem Zugang zu dem Wissen, genauer gesagt gilt die Finanzkraft als Filter für die Verbreitung von Wissen bzw. Bücher. Nach Giesecke (1996: 400) ist das neue Wirtschaftssystem, wegen der Serienproduktion von Bücher, nicht mehr durch die mittelalterliche Stadt regulierbar wie es früher den Fall war. Stattdessen zeichnet sich das neue marktwirtschaftliche Medium durch eine nahezu unbegrenzte räumliche Transport- und zeitliche Speicherfähigkeit aus und ermöglichst eine globale Ausdehnung des Welthandelsnetzes (Giesecke 1996: 401).

Im Truck in die Gemein geben: Die Tektonik typographischer Kommunikation

Im einfachsten Fall erfordert die Kommunikation, so Giesecke (1996: 404), zwei Prozessoren und ein Medium, wobei die beide Prozessoren als Sender und Empfänger bezeichnet werden. Die Druckerei gilt als Vorverstärker des typographischen Mediums und ermöglichst eine enorme Verstärkerleistung des Systems, weil die Informationsblöcke öfter identisch reproduziert werden und können somit auf einer Vielzahl von Kanälen gleichzeitig verteilt werden, dadurch ist es für Drucker und Händler nicht mehr überschaubar, welche und wie viele Bücher an wen verkauft werden (Giesecke 1996: 405-406).

Grundzüge des typographischen Kommunikationskreislauf

Laut Giesecke (1996: 401): „Der einfachste Fall eines Informationskreislaufs liegt vor, wenn der Empfänger einem Sender zurückmelden kann, daß er eine Botschaft empfangen hat.“ , dabei haben zum Beispiel Gespräche von Angesicht zu Angesicht eine solche Rückkopplungsnatur. Jeder Teilnehmer an einem Gespräch an mehrere Schnittstellen, so Giesecke (1996: 410), dennoch eine einzige Schnittstelle pro Typus: ein Mund und zwei Ohren, dadurch ist es schwer mehrere Botschaften gleichzeitig zu empfangen wenn z.B. mehrere Personen zugleich reden. Der Buchdruck kann mit einer Wasserleitungsmetapher veranschaulicht werden (Giesecke 1996: 411), bei der die Information nur in eine Richtung verlaufen und bei mehrere Empfängern ankommt, der Wasserverbraucher hat zwar eine Möglichkeit zur Rückkoppelung, dennoch erfolgt es nicht direkt wie bei einer direkten wörtlichen Kommunikation zwischen zwei Personen. Im neuen System der Rückkoppelung unterschiedlichen Medien verbergen sich komplizierte Abläufe der Wahrnehmung und Kodierung von Informationen (Giesecke 1996: 417) indem Bücher nicht mehr ausschließlich in einer professionellen Eigenschaft gekauft werden, sondern auch zur Befriedigung individueller Interessen (Giesecke 1996: 422).

Normen und Programme zur Steuerung der typographischen Kommunikation

Das typographische Kommunikationssystem ist in der Tat ein selbstregulierendes System, welches aufgrund von Normen und Programmen gesteuert wird, dementsprechend hat der Buchdruck ca. 60 Jahre im Anspruch genommen um seine Normen zu stabilisieren (Giesecke 1996: 424). Es entwickelten sich dadurch verschiedene Regeln und Gesetzen um den Autor eines Werkes klar identifizierbar zu machen und ihm vor unerlaubte Kopien seines Werkes zu beschützen, damit eröffnete sich die Möglichkeit die Schriften des Autors zu kritisieren und der Bedarf an hochrangige Genauigkeit um diese Kritik zu vermeiden (Giesecke 1996: 431, 440).

Zensur und Datenschutz: Der Eingriff des politischen Systems in den Informationskreislauf

Mit dem Anfang des Buchdruckes setzen sich neue Regeln zur Informationsverbreitung durch, dadurch ändert sich die Zensurmöglichkeiten drastisch, da das Geschehen in den typographischen Netzen nicht komplett dem freien Spiel der wirtschaftliche Kräfte überlassen bleibt, haben politische bzw. juristische Kräfte Maßnahmen ergriffen um die Nachrichtenwege zu reglementieren (Gesiecke 1996: 445). Der Informationskreislauf ließ sich nicht nur durch Verbote, sondern auch durch die Gewährung von Vergünstigungen gewähren, somit konnte ein Drucker zum Beispiel zu offiziellen Ratsdruck ernannt werden, darüber hinaus diese ökonomische Hebel ermöglicht die Steuerung des Informationskreislaufes (Giesecke 1996: 449).

Die digitale Revolution

Weiterentwicklung des Urheberrechts

Die Anfänge der schriftlichen Fixierung der Grammatiken

Nach Bierbach und Pellat (2003: 234-235) war im Mittelalter die Sprache der Kultur und der Kommunikation in Europa das Latein. Als Beispiele lateinischer Grammatiken werden Donats Ars (grammatica) und Prisciens de Césarées Institutionum grammaticarum libri XVIII genannt (vgl. Bierbach / Pellat 2003: 235).

Nach Swiggers (1988: 843) entstehen die ersten grammatischen Beschreibungen einer romanischen Sprache (l'ancien provençal) erst im 13. Jh.

Italienische Grammatiken und Sprachtraktate

DIE NORMGRAMMATIK Eine italienische Normgrammatik sollte anfangs nur für die Entstehung einer exemplarischen und literarisch wertvollen Schriftsprache verfasst werden, später jedoch hauptsächlich, um eine einfache und zufriedenstellende Reproduzierbarkeit zu gewährleisten (vgl. Poggi Salani, 1988: 781). Nach Poggi Salani musste die deskriptive Grammatik des Italienischen eine normative Grammatik sein, denn die meisten Grammatiker gehen von Überlegungen zu einer exemplarischen Schriftsprache aus und wollen ihre Reproduzierbarkeit garantieren. Dabei wurde innerhalb der Sprache mit ihrem Wortschatz, ihren grammatikalischen Besonderheiten und ihrer Syntax nicht nur gekürzt, sondern auch Neues hinzugefügt, präzisiert und verändert (Poggi Salani, 1988: 781). Bei der Verfassung der Normgrammatik konkurrierten zwei verschiedene grundlegende Ansichten: die Anhänger der ersten forderten, dass die Norm nur aus der Schriftsprache entstehen solle, während die der zweiten der Meinung waren, dass sich die Norm aus der in Florenz gesprochenen Sprache. Dabei sollte sich an dem dem Lateinischen sehr nahestehenden Toskanischen orientiert werden, wodurch Eigenheiten anderer Dialekte (z. B. "leggemo" in Siena und Rom) zugunsten der am Florentinischen orientierten Norm ("leggiamo") vereinheitlicht werden sollten (Poggi Salani, 1988: 782). Letztendlich entschied man sich dazu, die deskriptive Grammatik notwendigerweise mit der normativen Grammatik abzustimmen (Poggi Salani, 1988: 781: "La grammatica descrittiva dell'italiano doveva necessariamente coincidere con la grammatica normativa") und folgte somit der zweiten der oben beschriebenen Ansichten zur Normbildung.

Einleitender Text:

  • Bedeutung des Lateinischen
  • Dichte von Grammatiken in der Zeit von .. bis ..
  • Zusammenhang mit der Questione della lingua, ihre Sprache und Lexik (Dante, Boccaccio, Petrarca)
  • Bezüge zu den großen Schriftstellern der Zeit
  • Abschnitt Normgrammatik
  • Gegenseitige Beeinflussung des Buchdruckes, d.h. die von ihm hervorgebrachte Notwendigkeit einer Sprachnormierung und der Erscheinung der Grammatiken

Grammatiken

  • ~1434-43 Grammatichetta vaticana von Leon Battista Alberti
  • 1516 Regole grammaticali della volgar lingua von Giovanni Francesco Fortunio
  • 1521 Le vulgari elegantie von Niccolò Liburnio
  • 1524/5 Discorso o dialogo intorno alla nostra lingua von Niccolò Machiavelli
  • 1525 Prose della Volgar von Pietro Bembo
  • 1526 Le tre fontane di Messer Nicolò Liburnio in tre libri divise, sopra la grammatica, et eloquenza di Dante, Petrarcha, et Boccaccio
  • 1528 Il Cortegiano von Baldassar Castiglione
  • 1529 Grammatichetta und Dialogo del Trissino intitulato Il Ccastellano: nel quale si tratta della lingua italiana Gian Giorgio Trissino
  • 1533 La grammatica volgar dell'Ateneo von Marco Antonio
  • 1536 Il Vocabulario di cinquemilla Vocabuli Toschi non men oscuro che utili e necessari del Furioso, Boccaccio, Petrarcha e Dante von Fabricio Luna
  • 1539 Le osservazioni sopra il Petrarca von Minerbi
  • 1543 Le richezze della linguar volgare sopra il Boccaccio von Minerbi
  • 1543 Vocabulario, grammatica, et ortographia de la lingua volgare [...] con ispositioni di molti luoghi di Dante, del Petrarca et del Boccaccio von Alberto Acarisio
  • 1548 La fabrica del mondo von Minerbi
  • 1549 Fondamenti del parlar toscano von Rinaldo Corso
  • 1550 Osservazioni della volgar lingua von Lodovico Dolce
  • ~1551 Commentarii della lingua italiana (veröffentlicht 1582) von Girolamo Ruscelli
  • 1552 Regole della lingua fiorentina von Pier Francesco Giambullari
  • 1555 Il Cesano von Claudio Tolomei


Schon Dante Alighieri, wie Lubello ausführt, lobt zu Beginn des 14. Jahrhunderts in seiner Abhandlung Convivio das Volgare als die 'neue Sonne', die das seiner Meinung nach "künstliche" (artificiale) Latein ersetzen kann, und entwickelt in De vulgari Eloquentia ein regelrechtes vademecum der Rhetorik des Volgare mit Bezugnahme auf Stil, Metrum und sonstige Komponenten (2003: 208-209). Während im 15. Jahrhundert immer noch eine Mehrheit der Italiener im Schriftverkehr Latein verwendet, sind lediglich die Toscana im Allgemeinen und Florenz im Speziellen bemüht, das Volgare zu verwenden und zu verbreiten (vgl. Lubello 2003: 209).

Das erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckte Manuskript (vgl. Poggi Salani, 1988: 776) von Leon Battista Albertis Grammatichetta von 1434-43 enthält, so Lubello weiter, bereits gesammelte Erkenntnisse über die Regelmäßigkeiten, grammatikalische Regeln, und ein orthografisches System für die Lexik des Volgare (2003: 209) und ist damit die erste italienischsprachige grammatische Abhandlung (vgl. Poggi Salani, 1988: 776). Der Certame Coronario, ein öffentlicher Wettstreit zur Frage nach der Natur des Lateins in Rom, den Leon Battista Alberti 1441 in Florenz organisiert, soll die hohe literarische Qualität des toskanischen Volgare zeigen (vgl. Poggi-Salani 1988: 776), während die grammatichetta praktisch erklärend vorgeht und die korrekte Nutzung der Sprache darstellt. In der grammatichetta bezieht sich Alberti auf die vorherrschende Diskussion über die Natur des Lateinischen, und unterstreicht dabei die außerordentliche "Latinität" der Lexik des toskanischen Volgare (vgl. Poggi-Salani 1988: 776). Im Volgare findet er die grammatischen Kategorien des Lateins wieder, fügt allerdings, Laut Poggi Salani, den bestimmten Artikel, das passato prossimo und den Konditional ein (1988: 776). Die Grammatik zeigt also, so Poggi-Salani, zugleich den lateinischen Ursprung des Volgare und seine Regelhaftigkeit auf (1988: 776). Außerdem wird nun zwischen sieben Vokalen unterschieden, die unterschiedliche Aussprache des "z" angepasst und die Nutzung des Artikels geregelt (vgl. Poggi-Salani 1988: 776).

So entwickelt sich, laut Lubello, das 16. Jahrhundert mit seinen vielzähligen Grammatiken zu einem Jahrhundert der Norm ("secolo della norma") (2003: 209), in dem die sogenannte Sprachenfrage ("questione della lingua") (vgl. Poggi Salani 1988: 776) vorherrscht. Grundlegend für diese ist die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung des Volgare, da nun neben Florenz auch Venedig mit den ersten Ausgaben von Petrarcas Canzoniere (1501) und Dantes Divina Commedia (1502) zu einem Hauptdruckzentrum wird (vgl. Lubello 2003: 210) und man nun mehr denn je auf eine einheitliche Sprache drängt.

Bei den nun erscheinenden Grammatiken können laut Lubello verschiedene Positionen unterschieden werden: In der ersten gedruckten italienischen Grammatik von Giovanni Francesco Fortunio (Regole grammaticali della volgar lingua, 1516) werden Regeln zum korrekten Scheiben und Sprechen aufgestellt, die sich auf zwei Bücher verteilen: Das erste Buch behandelt die Nomen und Adjektive, Pronomen und Artikel, Verben, Adverben und Konjunktionen und weist eine eher didaktisch-monotone Schreibweise auf. Das zweite Buch dagegen befasst sich nur mit der Rechtschreibung (vgl. Poggi-Salani 1988: 776; vgl. auch Lubello 2003: 210). Die Systematisierung des Volgare orientiert sich an den drei großen florentinischen Poeten Dante, Petrarca und Boccaccio (vgl. Lubello 2003: 210) und ist damit Vorläufer für einige weitere Grammatiken.

Neben Fortunio setzen sich auch Niccolò Liburnio (Le vulgari elegantie, 1521) – der mit seinem Werk Le tre fontane di Messer Nicolò Liburnio in tre libri divise, sopra la grammatica, et eloquenzia di Dante, Petrarcha, et Boccaccio (1526) den Vorläufer für das erste Standardwörterbuch liefert – und Pietro Bembo in seinen Prose della Volgar Lingua (1525) für ein klassisches Volgare ein, das sich ebenfalls auf den alten, prestigeträchtigen und literarischen Texten aufbauen soll, was, so Lubello, zu einer Vereinheitlichung des gesprochenen und des geschriebenen Volgare führt (2003: 210). Bembos Werk nimmt im Gegensatz zu Fortunio eine strikte Trennung zwischen Prosa und Lyrik vor (vgl. Lubello 2003: 210) und ist nicht didaktischer, sondern rhetorisch-normativer Natur. Es werden ein florentinischer Wortschatz sowie dialektische und lateinische Elemente aufgegriffen, wobei der Schwerpunkt auf den literarischen Stil der Sprache gelegt wird. Bembos Prose bestehen aus drei Bänden, von denen der dritte trotz mangelnder Schematisierung am ehesten als Grammatik bezeichnet werden kann (vgl. Lubello 2003: 210). Darüber hinaus beeinflussen sie andere Schriftsteller nachhaltig und verzeichnen somit großen Erfolg. Lubello (2003: 211) führt als Beispiel dafür Ludovico Ariosto an, der in seiner Überarbeitung des Orlando Furioso für die dritte Ausgabe Korrekturen nach Bembos Grammatik vornimmt (vgl. Lubello 2003: 211). Während Furtunio und Bembo laut Lubello als Vertreter eines Modells des Florentinischen des 14. Jahrhunderts angesehen werden können, orientieren sich die Werke der toskanischen Linie laut Lubello (2003: 211) an der "attenzione all'uso contemporaneo, intenti più esplicitamente glottodidattici, apertura verso il parlato".

Niccolò Machiavelli wendet sich dagegen in der Mitte des 16. Jahrhunderts in seinem Discorso o dialogo intorno alla nostra lingua (1555) von der Idee eines auf dem Florentinischen des 14. Jahrhunderts basierenden Volgare ab (vgl. Lubello 2010), während Claudio Tolomei (Il Cesano (1555)) das gesamte Toskanisch ablehnt (vgl. Lubello 2003: 210). Baldassar Castiglione (Il Cortegiano, 1528) trat wiederum laut Lubello (2003: 210) für eine an den Höfen gebrauchte Version des Volgare ein, während sich Trissino für eine "italienische" Sprache aussprach, die, Dantes volgare illustre folgend, auf allen Dialekten Italiens beruhen sollte (Dialogo del Trissino intitulato Il castellano: nel quale si tratta de la lingua italiana, 1529). Trissinos Grammatichetta (1529) zeichnet sich, nach Poggi Salani, durch ein grundlegendes Schema einer literarischen Sprache mit direkter Bezugnahme auf einige neue orthografische Besonderheiten und einer eher trockenen Morphologie aus (1988: 777). Dabei wollte Trissino, so Poggi Salani, eine ideale italienische Sprache erschaffen, bei der er sich nicht an den bisher kanonischen Werten orientierte (1988: 777).

Allen Ansätzen war, laut Lubello, dennoch gemein, dass sie einen stilistischen und literarischen Idealtypus einer Sprache forderten, der sich weniger auf eine Alltagssprache, denn auf eine rhetorische Öffentlichkeits- oder Schriftsprache anwenden ließ (vgl. Lubello 2003: 210). La grammatica volgar dell'Ateneo (1533) von Marco Antonio Ateneo Carlino basiert laut Poggi Salani auf der Schriftsprache Petrarcas, Jacopo Sannazaros (L‘ Arcadia) und Pietro Bembos (Asolani). Aufgrund dieses Bezugsrahmens passiert es, wie laut Poggi Salani Corti festgestellt hat, dass bei Ateneos Grammatik ein provinzielles Ergebnis zur literarischen Form der Prosa wird, und ein florentinisches Ergebnis zur literarischen Form der Lyrik (1988: 777). Die Fondamenti del parlar toscano (1549) von Rinaldo Corso weisen eine phonologisch-morphologische Ausrichtung auf, in der sich Corso im Hinblick auf die Auswahl der Formen ebenfalls an Bembo und den drei großen florentinischen Dichtern orientiert und sich stilistisch auf den Stil der Prosa und Lyrik beschränkt. Seine Grammatik weist eine didaktische Struktur mit kleinschrittigen Regeln auf (vgl. Poggi Salani, 1988: 777).

Die Osservazioni della volgar lingua (1550) von Lodovico Dolce behandeln im ersten Buch vor allem Aspekte der Morphologie und der Phonetik, Syntax sowie der Rhetorik. Die nachfolgenden Bücher beschäftigen sich, so Poggi Salani, mit der Rechtschreibung, Zeichensetzung und der Poetik (1988: 777). Im Verlauf der Grammatik stimmt Dolce Lobeshymnen auf Bembo und Fortunio an, lässt jedoch in Anlehnung an Corso scharfe Bemerkungen gegen Trissino fallen und zitiert aus den Werken Petrarcas und Boccaccios, sowie einiger zeitgenössischer Autoren (Poggi Salani 1988: 777-778). Obwohl Corso auf sprachlicher Ebene Kontinuität zu den Autoren des "goldenen" Zeitalters (Vgl: Poggi Salani 1988: 778) erreichen will, ist seine Grammatik nicht frei von oberflächlichen Betrachtungen und Ungenauigkeiten, wie zum Beispiel die von Poggi Salani genannte wenig genaue Unterscheidung vom Imperfetto, Passato Remoto und Passato prossimo, die in Corsos Worten "nur verwirrt" ("ma tutte queste differenze poi si confondono") (1988: 777).

Die Commentarii della lingua italiana (~1551, veröffentlicht 1582) von Girolamo Ruscelli beschäftigten sich im fünften Buch mit dem Beseitigen zeitgenössischer Fehler, die durch die Übernahme einiger Romanismen, Toscanismen und Lombardismen in der allgemeinen Sprache häufiger auftauchten (vgl. Poggi Salani 1988: 778). Während, wie bei Poggi Salani dargestellt (1988: 778), im zweiten Buch größtenteils auf die grammatikalischen Vorläufer (u.a. Bembo und Trissino) eingegangen wird, behandeln die restlichen commentari allgemeine Überlegungen zur menschlichen Sprache und rhetorische Beobachtungen.

Pier Francesco Giambullari präsentiert sich dann nach Lubello (2003: 211) in seinen Regole della lingua fiorentina (1552) als Vertreter einer neuen Ausrichtung, da er erstmalig das doppelte Erscheinungsbild einer Sprache, also neben ihrer schriftlichen Form die aktuell in Florenz gesprochene Sprache der hochgestellten Mitglieder der Gesellschaft (vgl. Poggi Salani 1988: 778) fokussiert. Sein Werk richtet sich insbesondere an "forestieri" und "giovinetti" (Lubello 2003: 211) und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Florentiner keine Grammatik ihrer Muttersprache brauchten. Er räumt dabei der Syntax und der Rhetorik in Bezugnahme auf die Fonetik und Morfologie in seiner Grammatik außerordentlich viel Platz ein (vgl. Poggi-Salani 1988: 778). Die gesprochene Sprache, die hier zum Ausdruck kommt, ist, so Lubello, jedoch nicht die Alltagssprache, sondern die gebildete, oder in Giambullaris Worten "quella dello uso comune delle persone qualificate che la parlano" (2003: 211). Allerdings dringtGiambullari, laut Lubello, mit seinem Vorschlag zu einer einheitlichen Sprache mit Orientierung am Gesprochenen nicht durch. "La scoperta della lingua parlata", so Lubello (2003: 211) kommt schließlich erst mit den Werken von Benedetto Varchi und Leonardo Salviati, der die Überlegungen von Varchi aufnimmt. Außerdem wird mit dem L‘Ercolano von Varchi die führende Position des Florentinischen begründet und mit dem neuen Kennzeichen der "lingua popolare" versehen (vgl. Lubello 2003: 211).

Sprachtraktate

Französische Grammatiken und Sprachtraktate

Laut Bierbach und Pellat (2003: 235) erschienen didaktische Abhandlungen über Orthographie und Morphologie des Französischen ab dem 13. Jahrhundert.

Was das Französische betrifft, so gibt es laut Swiggers z. T. sehr summarische Abhandlungen zur Orthographie oder Morphologie (Substantiv und Verb) sowie einige thematische Wörterbücher, die auch Informationen zur Aussprache, liaison und élision enthalten:

  • um 1250: "Traité de la conjugaison française"
  • um 1300: "Tractatus orthographiae de T.H., Parisii studentis"
  • um 1300: "Orthographia gallica"
  • um 1300: Fragmente zur Grammatik und Konjugationstabellen
  • um 1340: "Nominale sive verbale in Gallicis cum expositione eiusdem in Anglicis"
  • um 1400: "Tractatus orthographie gallicane per M.T. Coyfurelly, canonicum, Aurelianum doctorem utriusque juris, de novo editus secundum modum et formam parisius" (Überarbeitung des "Tractatus orthographiae de T.H., Parisii studentis" (vgl. Swiggers 1988: 844).

Des Weiteren gibt es, so Swiggers (1988: 844) mehrere Texte für die praktische Anwendung (Konversationsmodelle, Darstellungen der Buchstaben, Texte für Anfänger):

  • um 1250/1290: "Le tretiz ki Munseignur Gauter de Bitheswey fist a ma dame Dyonise de Montechensi pour aprise de langage"
  • Ende des 14. Jh.: "Manières de langage"

Alle diese Abhandlungen entstehen, wie Swiggers (1988: 844) betont, in England (Französisch ist dort Verwaltungssprache) und zeugen von der Bemühung, das Pariser Französisch wiederzugeben.

Grammatiken

Aus England stammt, so Swiggers (1988: 844) auch die älteste grammatische Abhandlung zum Französischen auf Französisch, nämlich der um 1400 entstandene und unvollendet gebliebene "Donait françois". Bierbarch und Pellat (2003: 235) geben als Entstehungsjahr des "Donait françois" 1409 an. Eben dieser "Donait françois" wurde laut Swiggers (1988: 844) zur Grundlage der grammatischen Beschreibung des Französischen. Aufgebaut ist der "Donait françois" nach Swiggers wie folgt:

   Introduction
   Classement des lettres
   Les accidents des mots
      - espèces de mots
      - figures de mots
      - le nombre
      - la personne
      - le genre
      - la qualité
      - le cas
      - les degrés de comparaison
      - le mode
      - le temps
      - le genre
   Les parties du discours
      - introduction
      - suppositio des noms
      - le nom
      - le pronom
      - le verbe

Die Buchstaben sind, so Swiggers (1988: 845) weiter, unterteilt in "cinq voielx" (fünf Vokale) und "quinse consonantez" (fünfzehn Konsonanten) und z. T. mit Aussprachehilfen versehen. Danach folgt, so Swiggers, - der morphologische Teil (Derivate, Komposita, Numerus, Genus, Fälle, Modus, Tempus, etc.). Im Anschluss daran findet sich die - Analyse der Redeteile - (Nomen, Pronomen, Verben: Numerus, Modus, Tempus, Konjugation der französischen Verben; Bildung der Hilfsverben)

Nach Swiggers ist das Besondere am "Donait francois":

   1. dass er die älteste Grammatik des Französischen ist.
   2. dass die lateinische Grammatik zwar als deskriptives und terminologisches Modell dient, wobei das französische Sprachsystem nicht vollständig in das Lateinische übertragen werden konnte.
   3. dass damit ein metalinguistisches Modell für die Argumentation, Präsentation, und Formulierung von Beschreibungen des Französischen eingeführt wird (vgl. Swiggers 1988: 845).

Ziel dieses Werkes ist nach Bierbach und Pellat (2003: 235) die Erklärung der Schwierigkeiten des Französischen für englischsprachige Lerner.

Nach Swiggers (2001: 485) hat die französische Grammatikographie ihren Ursprung im Mittelalter. Die ältesten Abhandlungen über Morphologie und Orthographie sowie die ersten grammatischen Texte stammen aus England. In einigen Abhandlungen wird auch auf die strukturellen Unterschiede zwischen Französisch und Latein eingegangen. (vgl. Swiggers 2001: 485).

In der Epoche der Renaissance, so Swiggers (2001: 485), setzt sich die französische Sprache in der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit durch. Nach Geoffroy Torys Champ Fleury 1529 entstehen zahlreiche weitere grammatische und orthographische Abhandlungen im 16. Jahrhundert. (vgl. Swiggers 2001: 485). Swiggers (2001: 485-486, 1988: 847) zählt die folgenden Abhandlungen zur Beschreibung der Grammatik und Orthographie auf:

  • 1529: Tres utile et compendieux traite de l´art et science d´orthographie gallicane (anonymer Text)
  • 1530: John Palsgrave, Lesclarcissement de la langue francoyse, London
  • 1531: Jacques Dubois, In Linguam Gallicam Isagwge, unà cum eiusdem Grammatica Latino-Gallica, ex Hebraeis, Graecis, & Latinis authoribus, Paris
  • 1532: Gilles du Wes, An Introductorie for to lerne, to rede, to pronounce, and to speke frenche trewly, London
  • 1533: Briefve doctrine pour deuement escripre selon la propriete du langaige francoys (anonymer Text), Paris
  • 1540: Étienne Dolet, Accents de la langue francoyse, Lyon
  • 1542: Louis Meigret, Traite touchant le commun usage de l´escriture francoise, Paris
  • 1550: Louis Meigret, Le tretté de la grammere francoeze, Paris
  • 1550: Joannes Pillotus, Gallicae linguae institutio, Paris
  • 1557: Robert Estienne: "Traicté de la gramaire francoise"
  • 1562: Pierre de la Ramée: "Gramere"

Die orthographischen Texte enthalten dabei laut Swiggers (2001: 486) auch Hinweise zur Aussprache des Französischen.

Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, so Swiggers (2001: 486) nimmt die Zahl französischer Grammatiken zu. Den größten Anteil haben dabei Werke zur praktischen Anwendung des Französischen für Nicht-Muttersprachler. Diese enstehen vor allem in England, den alten Niederlanden und Deutschland (vgl. Swiggers 2001: 486). Als Grammatiken für das französische Publikum nennt Swiggers (2001: 486) Robert Estiennes Traicte de la gramaire francoise (Paris 1557) und Pierre de la Ramées Gramere (Paris 1562) bzw. Grammaire (Paris 1572). Bei den meisten Grammatiken, die sich an Nicht-Muttersprachler richten, steht der pädagogische Aspekt im Vordergrund und die systematische Beschreibung der Strukturen tritt in den Hintergrund (vgl. Swiggers 2001: 486). Die Grammatiken von Palsgrave, Meigret, Estienne und Ramus enthalten zwar exzellente Beschreibungen von grammatischern Strukturen des Französischen, insgesamt befindet sich, so Swiggers (2001: 486) die syntaktische Analyse noch im Anfangsstadium. Im 16. Jahrhundert entstehen auch die ersten didaktischen Grammatiken der französischen Sprache für das spanische Publikum (vgl. Swiggers 2001: 486).

Im 16. Jahrhundert erscheinen, so Swiggers (1988: 846) die ersten gedruckten Grammatiken des Französischen. Die meisten davon waren deskriptiv. Ziel war es, so Swiggers, den Leser über die verschiedenen grammatikalischen Kategorien des Französischen zu informieren. Dies geschah vor allem mittels einer Präsentation von Regeln und Paradigmen. Damit gelang es laut Swiggers den Autoren zu zeigen, dass das Französische ebenfalls Regeln besitzt., also in der Lage ist, eine Rolle als Kultursprache zu spielen (vgl. Swiggers 1988: 846). Die Mehrheit der Grammatiken im 16. Jahrhundert sind, laut Swiggers, praktische Grammatiken. Das heißt, sie dienten dem Unterricht des Französischens. (vgl. Swiggers 1988: 847).

Auch nach Bierbach und Pellat (2003: 235) erschienen die ersten grammatikalischen Beschreibung in Frankreich im 16. Jahrhundert. Die Autoren stützten sich dabei besonders auf die lateinischen Vorgänger des Engländers Linacre, des Italieners Julius C. Scaliger und des Spaniers Sanctius. Jedoch war, so Bierbach und Pellat, der deskriptive Aufbau der lateinischen Grammatiken für die französischen Grammatiken ungeeignet. Die Grammatiken des 16. Jahrhunderts verfolgten laut Bierbach und Pellat mit der Beschreibung nicht nur ein normatives Ziel, sondern auch eine pädagogische Absicht. Die erste gedruckte Grammatik des Französischen wurde nach Bierbach und Pellat in England 1530 von John Palsgrave publiziert. Palsgrave untersucht nach Swiggers (1988: 847) in seiner Grammatik besonders die Unterschiede zwischen dem Französischem und Englischem. 1531 erschien dann, so Bierbach und Pellat, die erste französischen Grammatik in Frankreich, die jedoch auf Latein geschrieben ist. Herausgeber dieser Grammatik war Jacques Dubois d'Amiens. Dubois zeigt, so Swiggers (1988: 847), Unterschiede zwischen dem Lateinischen und dem Französischen auf, indem er das Lateinsche als Grundlage für den Aufbau seiner Grammatik nimmt (vgl. Swiggers 1988: 847). Erst 1550 wurde die erste französische Grammatik, die in französisch geschrieben ist, in Frankreich gedruckt . Der Herausgeber dieses Werkes, Louis Meigret, fügte seiner Grammatik syntaxische Bemerkungen bei, die die Eigenheiten des Französischen wiedergeben. Diese Grammatik hatte, laut Bierbach und Pellat, Einfluss auf die Gramer von Petrus Ramus, der der Ansicht war, dass die Sprachanalyse der Analyse des Denkens folgt (vgl. Bierbach / Pellat 2003: 235). Nach Swiggers (1988: 847-848) betrachten die Grammatiker Meigret, Ramus und Estienne, die ebenfalls dem 16. Jahrhundert zuzuordnen sind, das Französische nicht nur in seinem konkreten Gebrauch, sondern sie halten diesen Gebrauch als in Regeln fassbar. Meigret und Ramus kommt laut Swiggers das Verdienst zu, eine methodische Beschreibung der Morphologie des Französischen versucht zu haben (vgl. Swiggers 1988: 848). Zusammenfassend halten Bierbach und Pellat fest, dass die Grammatiken des 16. Jahrhundert angefangen haben, die Besonderheiten der französischen Sprache dem Latein gegenüber herauszufiltern. Die morphologischen Beschreibungen des Französischen haben sich während dieses Zeit entwickelt. Dennoch bleibt die Syntaxt nur ein geringer Anteil dieser Grammatiken (vgl. Bierbach / Pellat 2003: 235-236).

Zusammenfassend schreibt Swiggers (1988: 848), dass den Grammatikern des 16. Jh. ein kohärentes Beschreibungssystem zu verdanken ist, das den Unterschieden zwischen dem Französischen und Latein Rechnung trägt und das sich vom latinisierenden grammatischen Modell emanzipiert. "En visée rétrospective, on appréciera l'effort de ces grammairiens [...] pour mettre en place un système cohérent de description, qui fait justice aux diférences structurelles entre le francais et le latin, et qui s'emancipe du modèle grammatical latinisant." (Swiggers 1988: 848).

Sprachtraktate

Version Sommersemester 2014